Stadtbahn Baden–Dättwil — Reaktivierung der Nationalbahn
Seit 1997 geistert die Idee einer Stadtbahn auf dem stillgelegten Nationalbahn-Trassee durch Baden: vom «Alten Bahnhof» Oberstadt durchs Meierhof-Quartier nach Dättwil. Das kantonale Gesamtverkehrskonzept sichert den Korridor langfristig — doch die SBB braucht die Strecke wieder für Güterzüge, und der Entscheid soll erst von «künftigen Generationen» gefällt werden.
Mitten durch Baden führt eine Bahnstrecke, auf der seit über zwanzig Jahren kein Personenzug mehr hält: das Trassee der Schweizerischen Nationalbahn von 1877, das von Wettingen über den «Alten Bahnhof» Baden Oberstadt und das Meierhof-Quartier nach Dättwil und weiter Richtung Mellingen verläuft. Die Idee, darauf eine Stadtbahn einzurichten, ist fast so alt wie die Stilllegung — und wird bis heute weder beerdigt noch beschlossen.
Die Idee
1997 entwarfen Hans Hauri (Gründungspräsident des VCS) und Norbert Oehrli die «Badener City-Bahn»: Halbstundentakt Mellingen–Dättwil–Würenlos auf dem bestehenden Gleis, später als Tram verlängert. Der Personenverkehr auf der Strecke wurde im Dezember 2004 eingestellt; seither verkehren nur noch wenige Güterzüge. Die Stadt Baden nahm die Vision dennoch in ihren Kommunalen Gesamtplan Verkehr auf: Der Sonnmatttunnel — ein rund 830 m langer neuer Tunnel, der das Nationalbahn-Trassee mit dem Bahnhof Baden verbinden würde — ist dort seit 2012 behördenverbindlich gesichert. Team Baden fordert seit Jahren die Reaktivierung mit Halten in Oberstadt und Dättwil sowie einem neuen Halt «Badener Tor».
Warum Dättwil?
Dättwil ist Badens Entwicklungsreserve: Mit dem Galgenbuck liegen dort rund 15 Hektaren unüberbautes Bauland für bis zu 2'000 künftige Bewohnerinnen und Bewohner, dazu kommen Arbeitsplatzgebiete und das Kantonsspital. Die Mellingerstrasse als einzige leistungsfähige Verbindung ist chronisch überlastet — ihr Ausbau wurde 2024 sogar sistiert, bis die städtischen Planungen geklärt sind. Eine Bahn auf dem parallel verlaufenden, bereits vorhandenen Trassee würde diese Achse direkt entlasten.
Verdrängt, aber nicht verschwunden
2018 entschied sich der Kanton beim Ausbau des öV bewusst gegen die Nationalbahn-Route und für die Limmattalbahn-Weiterführung zum Bahnhof Baden — die Oberstadt-Variante würde «die Pendlerströme an den Hauptwunschbeziehungen vorbeiführen». Eine Metron-Studie hatte die City-Bahn schon 2003 als «zu teuer für zu wenig Passagiere» taxiert. Im aktuellen Gesamtverkehrskonzept (GVK) Raum Baden und Umgebung lebt die Idee dennoch weiter: Der öV-Hauptkorridor «Baden–Dättwil–Heitersberg» wird als Trassee langfristig gesichert — ob darauf dereinst ein Bus oder ein schienengebundenes Verkehrsmittel fährt, sollen ausdrücklich «künftige Generationen» entscheiden.
Neuen Schub gab 2024 der Verein Regio-Bahn Aargau Ost (RBAO), der mit einer eigenen Studie die Reaktivierung samt Sonnmatt-/Burghaldetunnel propagiert und darauf verweist, dass die «Perspektive BAHN 2050» des Bundes eine solche Verbindung als Potenzial aufführt. Auch FDP-Ständerat Thierry Burkart brachte die Reaktivierung 2021 per Interpellation in Bern aufs Tapet — mit ausweichender Antwort des Bundesrats.
Der Haken
Ausgerechnet die Bahn selbst steht der Stadtbahn im Weg: Seit September 2024 nutzen die SBB die alte Strecke wieder für nächtliche Güterzüge als strategische Ausweichroute (u. a. für den Gotthard-Korridor) und geben sie dafür auf absehbare Zeit nicht frei — gemäss einer Antwort des Regierungsrats mindestens bis zum Zeithorizont 2045.
Stand und nächste Schritte
Die Trasseesicherung ist Teil der GVK-Richtplananpassungen, deren öffentliche Anhörung am 31. März 2026 endete; Ende 2026 entscheidet der Grosse Rat. Mehr als eine Raumsicherung ist auf Jahre hinaus nicht zu erwarten — die Stadtbahn Baden–Dättwil bleibt eine Idee mit bemerkenswerter Zählebigkeit, aber ohne Fahrplan.
Diskussion
Noch keine Kommentare zu diesem Projekt. Sei die erste Person, die mitdiskutiert.